Corona

 


Die Frage, ob die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus in einem sinnvollen Verhältnis zur Gefahr stehen, ist grad sehr präsent in der öffentlichen Diskussion.

Auf einem Flugblatt, das mir in den letzten Tagen in die Hände fiel und welches die Maßnahmen der Regierung in Frage stellt, ist auf der ersten Seite ein Diagramm zu sehen. Dieses Diagramm soll beweisen, dass die Maßnahmen sinnlos sind – bei genauer Betrachtung beweist die Grafik aber genau das Gegenteil. Es ist die Entwicklung der Reproduktionszahlen dargestellt (das ist die Anzahl der Menschen, die ein Erkrankter neu infiziert). Vier Tage nach dem Verbot von Veranstaltungen mit mehr als eintausend Menschen sinkt die Reproduktionszahl deutlich, was mit der angegebenen Generationszeit von vier Tagen übereinstimmt. Wenn man die Daten der einzelnen Maßnahmen ins Verhältnis setzt zum Verlauf der Neu – und Gesamtinfektionen ergibt sich ein ganz anderes Bild als auf diesem Flugblatt beabsichtigt.

Solche Interpretationen von Statistiken sind nicht hilfreich für eine kritische Auseinandersetzung mit unserer derzeitigen Situation.

Aus meiner Sicht ist aber nicht nur die Deutung des Diagramms falsch, sondern auch die ursprüngliche Fragestellung, ob die Maßnahmen der Regierung angemessen sind oder nicht.


Ausgehend von der Erkenntnis, dass Krankheiten auf Ungleichgewichte zurückzuführen sind, stellt sich die Frage: was ist hier im Ungleichgewicht? Die Antwort ist kurz und erschütternd: fast alles. Die Lebenssysteme unserer Erde sind schon lange an der Grenze ihrer Belastbarkeit angekommen, unzählige Tier und Pflanzenarten sind am Aussterben durch unsere Aktivitäten und Millionen unserer Verwandten weltweit leben in materiellem Elend. Es ist eine Schande, dass für viele Kinder in unserer reichen Welt das kostenlose Schulessen die einzige sichere Nahrungsgrundlage ist. Aber anstatt einzulenken und uns neu zu orientieren, wollen wir weitermachen wie bisher. Wir wollen unbegrenzt Energie verbrauchen, wir wollen unbegrenzt durch die Welt reisen, wir wollen unbegrenzt Geld verdienen, wir wollen unbegrenzt die Geschenke der Erde verschwenden. Die materielle Welt in der wir leben ist aber begrenzt. Die Botschaft die das Coronavirus für uns hat ist, diese Grenzen zu respektieren.

Anstatt unsere Energie darauf zu verwenden, ob die Regierung in den letzten Wochen etwas falsch gemacht hat, sollten wir uns fragen wie sie aussehen soll, die solidarische Gesellschaft, die im Einklang mit der Natur lebt. Lasst uns eintreten in einen großen Dialog darüber, was wir verändern wollen. Kapitalismus ist kein System, das uns von außen aufgezwungen wird, Kapitalismus ist eine tägliche Entscheidung von uns allen. Wir haben die Wahl, heute, jetzt, sofort, immer.

Wenn wir uns auf breiter Basis für neue Wege entscheiden, werden wir auch eine Regierung bekommen die andere Lösungen findet für das Coronaproblem als die technokratische Hoffnung auf eine Impfung. Eine Gesellschaft verändert sich immer von innen, nicht von „oben“.