Wieviel Boden braucht der Mensch?


2000 m² Ackerland stehen jedem Menschen auf der Welt zur Verfügung, dazu kommen rund 4500 m² Weideland. Aber wieviel davon brauchen wir wirklich um uns ausreichend und gesund zu ernähren? Mindestens ein Drittel der Ernte geht jedes Jahr verloren, in Deutschland und anderen reichen Ländern hauptsächlich durch Verschwendung. Das entspricht einer Anbaufläche von rund 660 m². Wieviel könnte man von dieser Fläche ernten und reicht das vielleicht schon aus um einen Menschen zu ernähren? Natürlich hängt das ganz wesentlich davon ab, wie man sich ernährt.

Im Sommer 2020 habe ich ein halbes Jahr auf einer einsamen Insel in der Nordsee verbracht. Da ich fast mein gesamtes Essen im Internet kaufen musste, habe ich einen guten Überblick bekommen, wieviel ich für eine fast vollständig vegane Ernährung brauche. Für ein Stück Kuchen zwischendurch gab es einfach keine Gelegenheit. Hier das Ergebnis, hochgerechnet auf ein ganzes  Jahr:

-                Getreide 100kg

-                Kartoffeln 95kg

-                Äpfel   38kg

-                Sonstiges Obst und Gemüse 30kg

-                Öl 17 Liter

-                Nüsse und Ölfrüchte 28kg

-                Hülsenfrüchte 14kg

-                Milchprodukte 8kg

-                Marmelade (!) 15kg

-                Kaffee 6kg

Nach dem Flächenrechner des Weltackerprojekts in Berlin
(
https://www.2000m2.eu/de/mym2/ ), entspricht das einer Anbaufläche von 1370 m² im Jahr. Die 88 m² für den Kaffee habe ich nicht mit eingerechnet, der Kaffee, den ich trinke, wächst wild in den Bergen der Sierra Nevada de Santa Marta in Kolumbien und nicht auf einer Plantage. Der hohe Marmeladenverbrauch lässt sich dadurch erklären, dass frisches Obst, durch den langen Transportweg, nicht verfügbar war.

Was hier auf den ersten Blick auffällt – ich könnte mich von den 660 m² ein halbes Jahr ernähren! Nun sollte man solche Zahlen nicht überbewerten, eine genaue Erntemenge pro Quadratmeter zu finden ist sehr schwer. Aber sie zeigen doch eine sehr deutliche Tendenz.

Um einer Antwort auf die eingangs stellten Fragen näher zu kommen, habe ich die Erntemengen im Lerngarten der Spreeakademie in Raddusch teilweise genau erfasst.

-               Kartoffeln 180 kg

-               Kürbis 160 kg

-               Tomaten mindestens 30 kg

-               Mais (trocken) 5 kg

-               Bohnen (trocken) 1,8 kg

Dazu kommen Gurken, Kohl, Paprika, Mais und frische Bohnen, Schnittsalate, Zwiebeln, Möhren, Äpfel und Birnen. Die Gesamterntemenge schätze ich auf mindestens 400 kg, auf einer Anbaufläche von 210 m². Davon waren rund 10 % mit Blühstreifen bepflanzt. Das ist ein gutes Ergebnis und: ich wäre völlig überfordert damit, das alles alleine in einem Jahr aufzuessen. Andererseits fehlen hier so wichtige Nahrungsmittel wie Ölfrüchte und Getreide.

Im nächsten Jahr wollen wir die Anbaufläche wesentlich verkleinern und den Anbau, vor allem mit Hilfe von mehr Mulch, intensivieren. Bei den Erträgen einiger Kulturen ist noch viel Luft nach oben. Ich bin gespannt, ob wir einer Antwort auf die oben genannten Fragen dadurch näher kommen.