Terra Preta - Mythos und Wirklichkeit
Februar 2026Eine Verwendungsmöglichkeit für Holzabfälle ist die Herstellung von Pflanzenkohle, vor allem aus schwächerem Holz. Indigene Völker am Amazonas haben, mit Hilfe von Holzkohle, mehrere Meter starke Schichten Humuserde aufgebaut, in einem Klima in dem, von Natur aus, keine Humusbildung stattfindet! Die gesamte organische Substanz im Regenwald ist ständig im Kreislauf. Einige erste Versuche hierzulande sind ermutigend, andere ernüchternd.
Die Kohle stabilisiert, in den Böden am Amazonas, den vorhandenen Humus, bietet einen Lebensraum für die Bodenorganismen und speichert Nährstoffe und Wasser.
Kann durch Pflanzenkohle und Terra Preta (Schwarzerde antropogenen Ursprungs) wirklich die CO² Bilanz unserer Landwirtschaft verbessert werden?
Die Rohstoffe für die Terra Preta Herstellung sind begrenzt! Deshalb ist Kohlenstoffbindung durch Pflanzenkohle nicht relevant. Kohlenstoffspeicherung durch Humusstabilisierung könnte relevant sein.
Bei der Herstellung von Pflanzenkohle werden große Mengen Co² freigesetzt. Beispiel Terra Boga (im botanischen Garten Berlin): aus 40 kg Ausgangsmasse entstehen 6 kg (!) Pflanzenkohle, 75% des Kohlenstoffs werden als CO² freigesetzt.
Interessante Frage in diesem Zusammenhang:
Wieviel Emissionen entstehen durch Häckseln und Kompostieren holziger Abfälle? Holzige Abfälle bilden stabilen Dauerhumus im Boden ohne Zusatz von Hilfsstoffen!
Es gibt Untersuchungsergebnisse die belegen, dass vorhandener Kohlenstoff im Boden durch Zugabe von Pflanzenkohle schneller abgebaut wird und dass auf guten Humusreichen Böden die Ernteerträge sinken. (eine Studie ist keine Studie, sollte noch mal ganz genau angeschaut werden: was ist dort passiert und warum?)
Bei großen Erfolgsmeldungen über Terra Preta Kultur hinterfragen: wie wurde der Boden vorher bewirtschaftet? Oft zeigt sich, dass vorher nur Raubbau am Boden betrieben wurde und gar keine Humuswirtschaft!
Vorsicht vor großen Versprechungen! Die Wahrheit liegt auf dem Acker.
Bevor wir in Begeisterung ausbrechen und versuchen große Mengen an Pflanzenkohle in den Boden zu bringen:
Genau hinschauen, alles hinterfragen und bis zum Ende denken und durchrechnen!
Eine sehr fundierte Stellungnahme zum Thema hat der BUND gegeben, es wurden viele wissenschaftliche Studien ausgewertet:
https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/_migrated/publications/150504_bund_sonstiges_bodenschutz_terra_preta_einschaetzung.pdf
Hier Ergebnisse aus einem fünfjährigen Feldversuch:
https://www.lfl.bayern.de/iab/boden/055677/index.php
Wir wissen nicht, wie die Indigenen am Amazonas ihre Terra Preta hergestellt haben und auch nicht in welchen Zeiträumen. Die ältesten Schichten sind mehrere tausend Jahre alt.
Grundsätzlich gilt: es ist nicht Aufgabe der Landwirtschaft das Klima zu retten! Das ist eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft und wird nur durch eine Verringerung aller Emissionen erreicht, vor allem durch eine Reduzierung des Primärenergieverbrauchs. Versuche, durch Pflanzenkohle, große Mengen Kohlenstoff im Boden zu fixieren sind Geoengineering und grundsätzlich kontraproduktiv! Eine Umstellung der gesamten Landwirtschaft auf Humus(aufbauende)wirtschaft bindet Kohlenstoff „nebenbei“.
Fazit:
- Verwendung von Pflanzenkohle ist nur sinnvoll bei eigener Herstellung aus regionalen Ressourcen; keine Terra – Preta – Industrie unterstützen, die ihre Rohstoffe aus fragwürdigen Quellen bezieht
- Nur schadstofffreie Techniken zur Herstellung verwenden, durch schlechte Führung des Verkohlungsprozesses können hochgiftige Substanzen wie PAK oder Dioxin entstehen!!!
- Nur trockenes Material verwenden
- Ob sich langfristig ähnliche Effekte einstellen wie am Amazonas wird die Zukunft zeigen
- Primär ist eine Humuswirtschaft, die in unserem Klima auch ohne Pflanzenkohle funktioniert