Gärtnern ohne Pappe
Gärtnern ohne Pappe
Es erfüllt mich mit großer Sorge, dass Menschen, die eine Vision für ein Leben im Einklang mit der Natur und eine giftfreie Lebensmittelherstellung haben, ihren Boden, ganz ahnungslos, durch das bedecken mit Pappe vergiften, um das Umgraben zu sparen. Es ist wirklich gut nicht umzugraben, wenn das möglich und sinnvoll ist. Die Idee, Bodenbearbeitung durch mulchen mit Pappe zu ersetzen, wird weder den Bedürfnissen des Bodens noch den Maßstäben einer ökologischen Bewirtschaftung gerecht. In Pappe können Schadstoffe aus den vorherigen Recyclingzyklen enthalten sein, auch in Pappe die selbst nicht bedruckt ist. Diese Schadstoffe gelangen in den Boden, sie reichern sich dort an und vergiften ihn dauerhaft. Welche Ausmaße das annehmen kann zeigt dieses Beispiel aus Deutschland: https://taz.de/Verseuchter-Ackerboden/!5647265/
Pappe und Papier sind keine Naturprodukte, sondern Kunststoffe: Holz wird mit Hilfe von Chemikalien in Papier und Pappe verwandelt. Andererseits hat der Gebrauch von Pappe, durch den weltweiten Internethandel, ein Ausmaß erreicht das nicht mehr tragbar ist. Durch die Verwendung von Pappe für den Gartenbau steigt der Verbrauch noch weiter an – Pappe gehört in den Papiercontainer! Für Pappe und Papier haben wir in Deutschland ein gut ausgebautes Recyclingsystem.
Zu beiden Themen hat der NABU einen lesenswerten Artikel veröffentlicht: https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/ressourcenschonung/papier/30395.html
Die gute Nachricht ist: wir brauchen weder Pappe noch große Mengen Industrie-Kompost, um erfolgreich Bio Gemüse anzubauen, und auch keine Jauche. Das Einzige, was ich in zwanzig Jahren kommerziellem Biogemüseanbau in meinen Betrieb eingeführt habe waren Anzuchterde, Saatgut und Urgesteinsmehl. Ganz am Anfang auch kleine Mengen Kompostmaterial, Pferdemist und Laub, aber auch das würde ich heute nicht mehr machen. Das Prinzip des geschlossenen Kreislaufs ist für mich eine wesentliche Grundlage der biologischen Landwirtschaft – und es funktioniert. Fast alles was wir brauchen ist in unserem Garten bereits vorhanden.
Wie können wir den Boden für den Anbau vorbereiten?
Das Mulchen mit Plastikmaterial hat gewisse Vorteile. Es besteht aber immer die Gefahr, den Boden mit Mikroplastik zu verseuchen. Bändchengewebe, Teichfolie und Silofolie sind UV stabil, lange nutzbar und hoffentlich(?) schadstofffrei. Diese Materialien sollten nur begrenzt eingesetzt und dunkel gelagert werden, wenn sie nicht im Gebrauch sind. Alte Teppiche und billige Baufolien zersetzen sich sehr schnell im Sonnenlicht und verpesten den Garten mit Mikroplastik. Sie sind völlig ungeeignet. Kompostierbare Mulchfolien und Mulchpapier sind reine Verschwendung von Rohstoffen.
Leider habe ich schon viele Permakulturgärten gesehen, die ganzjährig und großflächig mit Plastikmulch in verschiedenen Zerfallsstadien bedeckt waren.
Die Bodenbearbeitung mit Werkzeugen ist die klassische Art und Weise, um Beete für den Anbau herzustellen. Für einen kleinen Garten, bis 200m² Anbaufläche, sind ein Krail und eine Herzhacke völlig ausreichend. Bei sehr starkem Bewuchs, wenn wir zum Beispiel eine Wiese in Gemüsebeete verwandeln wollen, hacken wir die Grasnarbe in kleinen Portionen ab. Mit der Herzhacke geht das fast mühelos, im Gegensatz zur Arbeit mit dem Spaten. Den nächsten Bearbeitungsschritt machen wir dann 10 bis 14 Tage später mit dem Krail. Durch das flache Wenden der obersten Bodenschicht verschwinden nach drei bis viermaliger Bearbeitung auch solche hartnäckigen Wurzelunkräuter wie Quecke. Als Bearbeitungstiefe reichen 5cm, maximal 10cm. Die Monate Mai bis August sind dafür ideal. Im Wurzelbereich von Bäumen ist das Umgraben mit dem Spaten unvermeidlich. Die Baumwurzeln sind eine zu starke Konkurrenz für unsere Kulturpflanzen und müssen jährlich eingedämmt werden. Besser ist es einen anderen Platz für den Gemüsegarten zu finden – besser für das Gemüse und besser für die Bäume!
Das Mulchen mit Gras und Laub ist die natürlichste Form der Bodenvorbereitung. Unter der Mulchdecke stirbt die vorhandene Vegetation ab. Wenn Pflanzen durch die Mulchdecke wachsen, heben wir an dieser Stelle die Mulchdecke mit einer Forke hoch und legen sie wieder drauf. Eine Dicke der Mulchdecke von 20 – 30cm ist ausreichend. Ein regelmäßiges wenden der Mulchschicht ist empfehlenswert, besonders bei höheren Mulchdecken, um Fäulnis unter dem Mulch zu vermeiden. Der Mulch ernährt gleichzeitig das Bodenleben und das Bodenleben ernährt später die Kulturpflanzen. Das ist der normale Weg der Pflanzenernährung. Die Bodenlebewesen werden übrigens auch durch die Wurzelausscheidungen der Pflanzen ernährt.
Wir sollten nur Mulchmaterial aus dem eigenen Garten verwenden. Mit organischer Substanz von außerhalb bringen wir zusätzliche Schadstoffe in den Garten. Sie sind in der Natur allgegenwärtig. Seit dem Beginn der Metallzeitalter vor rund viertausend Jahren haben wir als Menschen die Erde mit Schadstoffen angereichert, die Böden und das Wasser, inklusive der Ozeane. Wir sollten uns gut überlegen was wir auf der Erde hinterlassen wollen, um die Bewohnbarkeit unseres Planeten nicht noch mehr zu verschlechtern. Giftfreies Gärtnern bedeutet nicht nur das Weglassen von Pestiziden sondern auch das Verhindern von Schadstoffeinträgen aller Art.
Das Prinzip des geschlossenen Kreislaufs gibt uns Sicherheit, den Schadstoffgehalt des Bodens nicht noch weiter zu erhöhen.